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Ärzte „trainieren“ im Künstleratelier
Neue Ansätze bei der Aus- und Weiterbildung von Ärzten werden derzeit von der Chirurgischen Abteilung des LKH Wolfsberg erprobt. Für die Dauer von fünf Tagen erhielten junge Mediziner die Möglichkeit, ihre gewohnte Arbeitsumgebung im Krankenhaus gegen ein Künstleratelier einzutauschen. Zeichnen und kreatives Gestalten helfen mit, die Fingerfertigkeit zu optimieren und eine neue, ganzheitliche Sicht auf den menschlichen Körper zu fördern.
Wölfnitz bei Klagenfurt. Im Pfarrsaal, der eigens für den Workshop „Kreatives Gestalten – manuelle Intelligenz“ zum Künstleratelier umfunktioniert wurde, sind sechs Ärztinnen und Ärzte aus dem LKH Wolfsberg damit beschäftigt, die Körperumrisse einer jungen Frau, die Modell steht, aufs Papier zu bringen. Auf die genaue Beobachtung kommt es an, auf die Wahl des Werkzeugs und die Fähigkeit, die durch Sinne erfassten Details mit zunehmender Leichtigkeit und Sicherzeit in Striche und Schattierungen umzusetzen.
Das künstlerische Neuland, das die Ärzte – drei Chirurgen, eine Chirurgin, eine Internistin und eine Anästhesistin – hier gemeinsam betreten, dient der feinmotorischen Schulung der Hände, kann und soll aber auch darüber hinausgehen. „Das figurale Zeichnen und Malen ist ein Transportmittel, das gerade Ärzte durch künstlerische Beschäftigung mit dem menschlichen Körper zu einer neuen Sichtweise und neuen Erkenntnissen führen kann“, sagt der Klagenfurter Künstler Mag. Karlheinz Simonitsch, der den Workshopteilnehmern mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch für ihn, der auf einige Jahrzehnte erfolgreicher künstlerischer Tätigkeit zurückblickt, ist ein Workshop mit Ärzten eine ganz neue Erfahrung. Simonitsch: „Es ist schon überraschend, wie schnell und sicher die Teilnehmer zu guten Ergebnissen kommen.“ Ob das geduldige Modell dabei mit Blei- oder Kohlestift, Pinsel oder Kreide am Papier abgebildet wird, bleibt ganz bewusst jedem selbst überlassen. Simonitsch: „Die verschiedenen Weichheiten sorgen für unterschiedliche Erfahrungen, ganz wie im Alltag des Chirurgen.“
Unter den ambitionierten Workshopteilnehmern ist auch Dr. Georg Lexer, Oberarzt an der Chirurgischen Abteilung des LKH Wolfsberg und zugleich Hauptinitiator des außergewöhnlichen Schulungsprojekts. Dr. Georg Lexer: „Die Hände sind die wichtigsten Werkzeuge des Chirurgen. Seine extreme Fingerfertigkeit ist das Ergebnis der funktionellen Wechselbeziehung zwischen Handhabung und Hirnaktivität.“ Die Beschäftigung mit figuralem Gestalten könne daher wesentlich dazu beitragen, neue Erfahrungs- und Denkmuster im Gehirn zu verankern und dementsprechend auch die feinmotorischen Fähigkeiten und die „manuelle Intelligenz“ weiter zu entwickeln. Dr. Georg Lexer bezieht sich dabei einerseits auf den amerikanischen Neurologen Frank R. Wilson, der die These von den „denkenden Händen“ vertritt, andererseits aber auch auf einen Gewährsmann aus der eigenen Familie: Dr. Erich Lexer (1867 – 1937). Der angesehene Chirurg, der in Freiburg und München wirkte und als Pionier der plastischen Chirurgie gilt, riet jungen Ärzten seiner Zunft, sich auch zeichnerisch mit dem menschlichen Körper zu beschäftigen: „Chirurgie lernt man durch Zuschauen. Wer nicht Nachahmen kann, wird nie ein Chirurg.“
Die Ergebnisse des Kreativworkshops werden im Juni im LKH Wolfsberg einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.




