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Wenn die Gesichtslähmung das Lächeln nimmt

Im Rahmen der internationalen „Facial Palsy Awareness Week“ von 1. bis 7. März rückt die periphere Fazialisparese – eine Form der Gesichtslähmung – in den Fokus der Öffentlichkeit. Jährlich sind etwa 7 bis 40 von 100.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung trifft Betroffene meist unerwartet und bedeutet einen massiven Einschnitt in Alltag, Kommunikation und Selbstbild.

„Eine periphere Fazialisparese führt meist einseitig zu einer Lähmung der gesamten mimischen Muskulatur“, erklärt Logopädin und Expertin für Gesichtslähmung, Christina Repitsch. Typische Symptome sind eine deutliche Asymmetrie des Gesichts mit herabhängendem Mundwinkel und abgesenkter Augenbraue, ein unvollständiger Lidschluss, die Unfähigkeit zu lächeln oder Emotionen nonverbal auszudrücken. „Ich möchte mein Enkelkind wieder anlächeln können“, sagt eine Patientin. Diese Aussage zeigt, wie hoch die emotionale Belastung dieser Erkrankung sein kann. Aber auch Schwierigkeiten beim Sprechen, Essen und Trinken kommen wie noch andere Einschränkungen dazu.

Spezialambulanz feiert Jubiläum

Repitsch ist Teil des multiprofessionellen Teams, das Betroffene im Klinikum Klagenfurt in der Faszialisambulanz betreut. Konkret arbeiten Mediziner der Plastischen Chirurgie (Prim. Prof. Dr. Matthias Rab, EOA Dr. Maximilian Neuwirth), Neurochirurgie (Prim. Prof. Dr. Thomas Kretschmer) und Logopädie eng zusammen. Bei Bedarf werden weitere Fachbereiche, wie HNO oder Augenheilkunde hinzugezogen. „Heuer feiern wir sogar ein Jubiläum, denn die Ambulanz gibt es seit mittlerweile zehn Jahren“, erzählt Repitsch. Die Spezialambulanz entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Aushängeschild in Österreich und ist in dieser Form einzigartig. 

Möglichkeiten der operativen Reanimation

Vor allem die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit bildet die Grundlage für moderne Konzepte der operativen Reanimation. „Nach bestimmten Tumoroperationen - etwa bei gutartigen Vestibularisschwannomen - lässt sich eine Beeinträchtigung des Gesichtsnervs aufgrund der engen anatomischen Lagebeziehung zum Tumor nicht immer vermeiden“, erläutert Prof. Dr. Kretschmer. In solchen Fällen stehen jedoch gezielte rekonstruktive Maßnahmen zur Verfügung.

Zunächst hat der Schutz des Auges oberste Priorität. Zur Verbesserung des Lidschlusses können beispielsweise Titanimplantate in das Oberlid eingesetzt werden. Darüber hinaus führen die Spezialisten der Plastischen Chirurgie, Prof. Dr. Rab und EOA Dr. Neuwirth, differenzierte operative Eingriffe durch, die sowohl die Gesichts­symmetrie verbessern als auch - etwa durch Muskel- oder Nerventransplantationen -eine funktionelle Rehabilitation ermöglichen. Ziel ist es, mimische Funktionen wiederherzustellen und Patientinnen und Patienten ein aktives Lächeln zurückzugeben.

„Gibt mir Hoffnung“

Die Patientinnen und Patienten werden individuell betreut. Repitsch ist als Logopädin dabei ein wichtiges Bindeglied zwischen Betroffenen und Medizinern. „Wir betreuen die Patienten logopädisch zwischen 1 und 3 Jahren. Meine Aufgabe als Expertin für Gesichtslähmung ist es, nicht nur die prä- und postoperativen Therapien durchzuführen, sondern die Patienten auf deren Weg zu begleiten und schnell weitere Behandlungsschritte einzuleiten“, erzählt Repitsch.

„Diese Unterstützung gibt mir Hoffnung und macht mich stärker. Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben“, ist eine Patientin dankbar für den kontinuierlichen Einsatz der Logopädin. Und auch eine andere Betroffene, Ingrid P., kann die Spezialambulanz nur weiterempfehlen. „Ich leide aufgrund eines Tumors an einer chronischen Gesichtslähmung und bin seit 3 Jahren in der Faszialisambulanz in Betreuung. Durch die operativen Eingriffe geht es mit bereits besser, ich kann lächeln, verständlicher sprechen und wieder problemlos essen und trinken.“

Ursachen

Die Ursachen einer Gesichtslähmung sind vielfältig. Am häufigsten tritt eine idiopathische Fazialisparese auf, bei der keine eindeutige Ursache festgestellt werden kann. Darüber hinaus können virale oder bakterielle Infektionen – etwa Herpes Zoster, Borreliose oder Mittelohrentzündungen –, gut- oder bösartige Tumorerkrankungen wie Parotistumore oder Vestibularisschwannome, neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder Multiple Sklerose, traumatische Verletzungen im Rahmen von Unfällen, hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft oder angeborene Fehlbildungen zugrunde liegen. „Bei akut auftretender Gesichtslähmung ist eine sofortige ärztliche Abklärung entscheidend, mit einer geeigneten Therapie sollte so früh wie möglich begonnen werden“, rät Repitsch. 

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